Eintritt der Berufsunfähigkeit
Wann ist man berufsfähig?
Normalerweise ist die Definition relativ leicht. Sobald Ihnen ein Arzt bestätigt, dass Sie durch Krankheit, Unfall oder Invalidität dauerhaft beeinträchtigt sind Ihren Beruf auszuüben, sind Sie berufsunfähig.
Jedoch werden fast 40% der Anträge (2006/2007 gemäß Morgen & Morgen / Link: http://mm-gmbh.yum.de) abgelehnt. Wenn es vor Gericht geht, stehen die Chancen für Sie als Kläger nicht besonders gut. So konnten nur 10% der Klagen von Versicherten gewonnen werden. In fast 50% der Fälle endete der Prozess in einem Vergleich.
Um die Kosten zu reduzieren prüfen Versicherungen noch genauer und professioneller die Anträge auf Berufsunfähigkeitsrente. Es ist durchaus möglich viel zu interpretieren. Muss beispielsweise der Versicherte wirklich eine Berufsunfähigkeitsrente erhalten oder reicht nach einem Bandscheibenvorfall auch Krankengymnastik und ein ergonomischer Stuhl im Büro? Es geht also um viel Geld, wenn Sie monatlich als Versicherungsunternehmen Ihrem Kunden eine Berufsunfähigkeitsrente zahlen sollen. Daher prüfen Sie sehr genau, um die Kosten niedrig zu halten.
Wie gehen Versicherungsunternehmen bei der Prüfung vor?
Wenn Sie einen Antrag auf Berufsunfähigkeitsrente stellen prüft das Versicherungsunternehmen auch weit zurückliegende Krankenakten von Ihnen um festzustellen, ob Sie im Antrag seinerzeit eine Falschangabe (evtl. auch unwissentlich) getätigt haben. So wurden nach 2007 nahezu 30% aller Anträge aus diesem Grund abgelehnt. Jedoch sieht das Versicherungsvertragsgesetz, das 2008 von der Großen Koalition erlassen wurde – keinen Totalverlust mehr vor, wenn eine leichte oder grobe Fahrlässigkeit Ihrerseits bei den Angaben besteht.
Sie müssen sich bewusst sein, dass die Zeit für Sie als Kunden gegen Sie spielt. Denn ein Versicherungsunternehmen hat die Zeit und das Geld das Problem theoretisch auszusitzen. So berichtete das Wirtschaftsmagazin Capital in seiner Ausgabe 08/2009, dass eine Gesellschaft nach vier medizinischen Gutachten (vom Facharzt, der Deutschen Rentenversicherung und zwei Gerichtsgutachtern) noch immer die Rente verweigerte. Bis zu 101 Tage dauert es demnach im Schnitt bis eine Entscheidung pro oder contra Rente gefallen ist. Sollten Sie krank sein und auf das Geld angewiesen sein, ist dies für Sie natürlich eine enorme Belastung. Die Versicherungen nutzen aber hier natürlich ihr gutes Recht, um die Ansprüche der Kunden prüfen zu lassen.
Es reicht also nicht von "irgendeinem Arzt" die Bescheinigung zu erhalten, um letztendlich eine Rente zu erhalten. Gerade orthopädische und psychische Probleme sind schwer zu greifen. Daher werden oft externe Gutachter damit beauftragt Ihren Krankheitszustand zu analysieren. Je besser Sie also Ihre Krankengeschichte dokumentieren können, desto besser stehen Ihre Chancen. Sollten Sie Ihre Berufsunfähigkeit lückenlos nachweisen können, droht der letzte Stolperstein nur noch beim Ausfüllen des BU-Antrags.
Sie müssen in der Regel den Nachweis erbringen, dass sie zu mindestens 50% berufsunfähig sind. Dies geschieht mit Fragebögen der Versicherer die bis zu zwölf Seiten dick sein können. Versicherungsmakler empfehlen dabei dieses Formular nicht alleine auszufüllen, sondern einen unabhängigen Rat bei einem Fachanwalt oder Versicherungsberater zu suchen. Logischerweise sollten Sie beim Ausfüllen des BU-Antrags auf den Service Ihrer Versicherungsgesellschaft verzichten, Ihnen beim Ausfüllen zu helfen. Des Weiteren empfiehlt es sich stets schriftlich zu kommunizieren und nicht telefonisch, da dabei schnell Mißverständnisse auftreten können.
Dass die Versicherungsunternehmen sehr genau prüfen hängt selbstverständlich auch damit zusammen, dass die Branche besonders betrugsanfällig ist. Gerade in Krisenzeiten steigt die Anzahl der Anträge massiv an. Im Schnitt landet jeder zehnte abgelehnte Antrag auf BU-Rente vor Gericht. Ein solcher Prozess ist für Sie als Kläger aber teuer. Daher empfiehlt es sich eine Rechtsschutzpolice abzuschließen. Achten Sie darauf, dass diese Police nicht gerade bei der Versicherung abgeschlossen wird, bei der auch Ihre BU-Versicherung läuft.
Wie verhält man sich am Besten in Streitfällen?
Wie schon dargestellt, gibt es oft Streitfälle. So gingen im Jahr 2006 beim Ombudsmann 520 Beschwerden zur BU-Versicherung ein. Wie das ganze abläuft können Sie im Internet nachlesen unter www.versichungsombudsmann.de. Selbstverständlich sollten Sie beim Abschluss einer Versicherung auch darauf achten, wie hoch die Prozessquote des Versicherungsunternehmens ist. Hier gilt in der Regel: Je niedriger, desto besser.











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