Börse & Wertpapiere » Analyse » Fundamentalanalyse » Bilanzkennzahlen

Bilanzkennzahlen

Bilanzsumme:

Die Bilanzsumme ist das gesamte Vermögen das ein Unternehmen hat. Während die Aktivseite die Mittelverwendung anzeigt, zeigt die Passivseite die Mittelherkunft an. Wie wurde also das Aktiva (Anlagevermögen und Umlaufvermögen) finanziert?

Die Bilanzsumme besteht bei der Aktiva aus dem Anlagevermögen (Maschinen, Gebäude, Grundstücke etc.) und dem Umlaufvermögen (Forderungen, Kasse, Bank, Vorräte etc.). Wie dieses Anlage- und Umlaufvermögen finanziert wurde, zeigt dann die Passivseite, die aus dem Eigenkapital sowie dem kurz- und langfristigen Fremdkapital besteht.

Anlagevermögen:

Das Anlagevermögen umfasst die länger angelegten Wirtschaftsgüter wie z.B. Gebäude, Maschinen, Grundstücke etc.

Eine wichtige Kennzahl bzgl. des Anlagevermögens ist die „Anlagendeckung II“. Diese Kennzahl besagt, dass langfristiges Vermögen auch langfristig finanziert werden sollte. Daher sollten das Eigenkapital und die langfristigen Verbindlichkeiten auf der Passivseite mindestens so groß sein wie das Anlagevermögen auf der Aktivseite.

Umlaufvermögen:

Das Umlaufvermögen umfasst Betriebsvermögen, dessen Bestand sich häufig durch Zu- und Abgänge verändert. Ins Umlaufvermögen fallen hauptsächlich „Vorräte“, „Kassenbestand“, „Forderungen“. Das Umlaufvermögen wird vereinzelt auch als Working Capital bezeichnet. Das Verhältnis von Umlaufvermögen zum kurzfristigen Fremdkapital wird als Kennzahl „Liquidität III“ bezeichnet und sollte laut Lehrbuch ca. das 1,7 – 2fache betragen. Ein zu hohes Umlaufvermögen bindet jedoch auch Kapital, da das Geld nicht arbeitet.

So kosten z.B. zu hohe Vorräte Raum und Miete und es droht hier auch die Gefahr von Abschreibungen auf die Vorräte. Auch Forderungen die lange bestehen müssen abgeschrieben werden, wenn die Zahlung unwahrscheinlicher wird, was wiederum die Gewinn- und Verlustrechnung belastet. Zu hohe Kassenbestände sorgen dafür, dass viel Geld im Unternehmen vorhanden ist, aber nicht arbeitet.

Eigenkapital:

Das Eigenkapital gibt an welcher Anteil der Aktiva mit Kapital der Gesellschafter finanziert ist. Es sind also jene Mittel, die von den Eigentümern eines Unternehmens zur Finanzierung des Unternehmens aufgebracht werden. Des Weiteren ist es auch möglich, dass erwirtschaftete Gewinne des Unternehmens im Unternehmen einbehalten werden und so das Eigenkapital gestärkt wird. Dies ist jedoch nur möglich wenn die Hauptversammlung – bei der alle Aktionäre gemäß der Anzahl ihrer Aktien ein Stimmrecht haben – dies entsprechend beschließt.

Verbindlichkeiten:

Die Verbindlichkeiten sind die Differenz der Bilanzsumme und dem Eigenkapital. Verbindlichkeiten bestehen in der Regel aus Rückstellungen und verschiedensten Verbindlichkeiten selbst. Unterteilt werden Verbindlichkeiten heute in kurz- und langfristige Verbindlichkeiten. Bis vor wenigen Jahren wurde noch unterschieden nach Verbindlichkeiten und Rückstellungen. Daher wäre es auch mit einem sehr großen Aufwand verbunden den „Mein Aktienanalyst“ mit diesen Datensätzen auszustatten.

Eigenkapitalquote:

Die Eigenkapitalquote gibt an wie viel Prozent der Bilanzsumme durch Eigenkapital gedeckt ist bzw. wie viel das Gesamtvermögen eines Unternehmens durch Kapital der Anteilseigner unterlegt ist. Als Zielgrößte gelten in der Regel 50%. Je nach Branche sind aber andere Eigenkapitalquoten gewöhnlich. Banken haben so z.B. eine sehr niedrige Eigenkapitalquote. Grundsätzlich gilt, dass je höher die Eigenkapitalquote ist, desto unabhängiger ist das Unternehmen von externen Geldgebern wie Banken. Krisen können so leichter überwunden werden. Eine zu hohe Eigenkapitalquote belastet jedoch die Eigenkapitalrendite, die von vielen Investoren als Gradmesser für den Erfolg des Unternehmens verwendet wird.

Gearing:

Eine sehr wichtige Kennzahl für die finanzielle Beurteilung eines Unternehmens ist das Gearing. Dieses wird wie folgt berechnet:

(Verzinsliche Verbindlichkeiten – liquide Mittel) * 100 / Eigenkapital

Ein negatives Ergebnis ist das Beste was man hier erreichen kann, da die liquiden Mittel die verzinslichen Verbindlichkeiten übersteigen und somit eine Überschuldung des Unternehmens nicht vorliegt. Diese Kennzahl setzt die verzinslichen Verbindlichkeiten (Anleihen, Bankkredite etc.) und die liquiden Mittel (Kasse und Bankguthaben) ins Verhältnis zum Eigenkapital. Auch positive Werte bis 50 sind als gut zu bezeichnen. Bei Werten zwischen 50 – 100 wird schon nahezu eine Kapitalmaßnahme notwendig um die Bonität des Unternehmens zu verbessern und das Unternehmen von der Schuldenlast zu befreien.

OCI:

Das Other Comprehensive Income gibt an, wie hoch die Wertveränderungen des Unternehmens sind, die direkt im Eigenkapital erfasst worden sind und so nicht in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung erschienen sind. Ein negatives OCI senkt das Eigenkapital und damit den Anteil der Aktionäre am Vermögen des Unternehmens. Ein positives OCI erhöht umgekehrt den Anteil. Das OCI zeigt also Vermögensverluste oder -gewinne, die in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung nicht auftauchen und damit auch nicht den Jahresüberschuss beeinflussen.