Kapitalerhöhung
Was ist eine Kapitalerhöhung?
Hat ein Unternehmen lange Zeit Verluste eingefahren schmälert dies das Eigenkapital, da die Gewinn- und Verlustrechnung über das Eigenkapitalkonto durchgeführt wird. Ein niedriges oder gar negatives Eigenkapital schränkt die Bonität und damit den Zugang zu Krediten für ein Unternehmen stark ein. Daher kann eine Kapitalerhöhung Sinn machen, bei der neue Aktien ausgegeben werden um das Eigenkapital zu erhöhen. Aber nicht nur aufgrund der Bonität kann eine Kapitalerhöhung durchgeführt werden. Auch eine große Investition die aus dem laufenden Cashflow und den liquiden Mitteln nicht finanziert werden kann, kann über eine Kapitalerhöhung finanziert werden, wenn Bankkredite oder Anleihen als Finanzierung ausscheiden. Aber auch eine größere Übernahme eines Konkurrenten oder Wettbewerbers kann ein Grund für eine Kapitalerhöhung sein. Einen Grund für die Kapitalerhöhung braucht es nicht.
Es gibt 4 Formen der Kapitalerhöhung:
- ordentliche Kapitalerhöhung
Hier ist ein Beschluss von 75% der Aktionäre notwendig um diese zu beschließen. Ein Eintrag ins Handelsregister muss ebenso erfolgen. Altaktionäre haben ein Bezugsrecht für die jungen Aktien gemäß Ihrer Anteile an den alten Aktien. Auf diese Weise kann man als Altaktionär seinen Anteil am Unternehmen konstant halten. - bedingte Kapitalerhöhung
Hierbei handelt es sich um eine Kaiptalerhöhung, bei der Wandel- und Optionsanleihen umgetauscht werden in Aktien des Unternehmens. - genehmigte Kapitalerhöhung
Eine genehmigte Kapitalerhöhung ist sehr häufig in der Praxis anzutreffen. Dies hat damit zu tun, dass für eine Kapitalerhöhung ein Hauptversammlungsbeschluss notwendig ist und die Börsensituation eine Kapitalerhöhung oft nicht zulässt. Daher kann sich der Vorstand auf der jährlichen Hauptversammlung die Genehmigung erteilen lassen, das Grundkapital innerhalb der nächsten 5 Jahre um bis zu 50% erhöhen zu können. Auf diese Weise bleibt der Vorstand flexibel und kann gegebenenfalls schnell reagieren. - Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln (hier fließen dem Unternehmen keine neue liquide Mittel zu)
In diesem Fall werden Rücklagen aus Gewinnen oder ähnlichem in Aktien umgewandelt. Dabei werden daher oft Gratisaktien ausgegeben für die Aktionäre. Die Anzahl der Aktien steigt aber neues Kapital ist dem Unternehmen nicht zugeflossen.
Der Emissionskurs der neuen Aktien ist in der Regel niedriger als der Kurs der Aktie vor der Kapitalerhöhung. In der Regel werden Kapitalerhöhungen über ein Bookbuilding-Verfahren emittiert. Es wird dabei eine Zeichnungsfrist gesetzt für die jungen Aktien, in der jeder sein Gebot abgeben kann, wie viel er maximal für die jungen Aktien bereit ist zu zahlen (Zeichnungsspanne wird vorgegeben). Danach erfolgt entsprechend eine Zuteilung. Die alten und jungen Aktien werden miteinander verschmolzen, sobald beide die selben Rechte (z.B. bzgl. Dividende) haben.
Es kann ein Mischkurs errechnet werden, der wie folgt berechnet wird:
Mischkurs = (Anzahl der jungen Aktien x Kurs der jungen Aktien) + (Anzahl der alten Aktien x Kurs der alten Aktien) / (Kurs der alten Aktien + Anzahl der jungen Aktien)
Bei einer Kapitalerhöhung erhalten Altaktionäre wie bereits geschildet ein Bezugsrecht. Dabei wird das Bezugsverhältnis stets wie im folgenden Beispiel angegeben:
Bezugsverhältnis 1:3
Dies bedeutet, dass man für eine alte Aktie, drei neue Aktien erhält. Das Bezugsverhältnis kann man wie folgt errechnen.
Bezugsverhältnis = vorheriges Grundkapital / Kapitalerhöhung
Das Bezugsrecht gleicht den Kursverfall der alten Aktie auf das neue Niveau (Mischkurs) aus. Der rechnerische Wert für das Bezugsrecht kann daher sehr leicht ermittelt werden indem man vom alten Kurs den Mischkurs abzieht. Notieren also die alten Aktien zu 100,- € und der Mischkurs liegt bei 95,- W€ dann haben die Bezugsrechte einen rechnerischen Wert von 5,- € und werden bei Zubuchung der Bezugsrechte in Ihr Depot vom (alten) Aktienkurs abgezogen. Will jemand die jungen Aktien kaufen, ohne bisher die alten gehabt zu haben, muss er vor Erwerb der jungen Aktien auch die nötigen Bezugsrechte kaufen.











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