Rohstoff-Zertifikate
Wie funktionieren Rohstoff-Zertifikate?
Da vor allem in den vergangenen Jahren Rohstoffe immer populärer geworden sind möchten wir an dieser Stelle auf Rohstoff-Zertifikate eingehen:
Welche Arten von Rohstoffen gibt es?
Generell werden die folgenden fünf Gruppen unterschieden:
- Agrarprodukte wie z.B. Weizen, Mais, Zucker, Kaffee, Kakao, Holz, Raps, Sojabohnen, Hafer, Gerte, Wolle, Orangensaft u.v.m.
- Nutzvieh wie z.B. Rind und Schwein
- Edelmetalle wie z.B. Gold, Silber, Platin oder Palladium
- Industriemetalle wie z.B. Aluminium, Kupfer, Zink, Nickel, Blei etc.
- Energie wie z.B. Rohöl, Erdgas, Benzin, Diesel, Heizöl etc.
In was investiere ich bei einem Rohstoff-Zertifikat?
Aktien oder Anleihen können direkt an der Börse gekauft werden. Bei Rohstoffen ist dies nicht so leicht. Sie können diese auf der einen Seite in Form physischer Rohstoffe kaufen. Dies bedeutet, dass Sie sich einen Goldbarren kaufen und diese lagern. Dies klingt sicherlich noch einleuchtend. Wie aber sollen Sie Orangen, Kaffee oder Zucker kaufen und lagern? Beachten Sie die Verderblichkeit der Ware. Und wer kauft in Ihrem Hof dann die Rohstoffe wieder ab?
Wo und wie werden Rohstoffe gehandelt?
Rohstoffe werden an einer so genannten Warenterminbörse in Form von Futures gehandelt. Ein Future ist übersetzt ein Terminkontrakt. Dies wollen wir Ihnen direkt an einem Beispiel erklären:
Es gibt für Rohöl zahlreiche Terminkontrakte. Diese Terminkontrakte sind alle zeitlich begrenzt und sind im Prinzip ein standardisierter Vertrag, welcher die Lieferung einer bestimmten Menge Rohöl zu einem bestimmten Preis zu einem bestimmten Termin festlegt. Es gibt also Futures auf Rohöl die noch 3, 6, 9, 12, 15, 18 etc. Monate laufen. Jeder dieser Kontrakte hat einen unterschiedlichen Preis. Der Preis für in 3 Monate ist verhältnismäßig leicht abzuschätzen, da ja der aktuelle Rohölpreis bekannt ist. Gehen die Marktteilnehmer von stark steigenden Rohölpreisen in der Zukunft aus, kann es durchaus sein, dass der Futurekontrakt (der in 18 Monaten fällig wird) deutlich höher steht, als jener der in 3 Monaten fällig wird. Steht beispielsweise der „18monatige Rohölfuture“ bei 110USD erwerben Sie mit dem Kauf das Recht in 18 Monaten ein Fass Rohöl für 110 USD zu verkaufen. Steht der Preis 18 Monate später über 110 USD haben Sie einen ordentlichen Gewinn eingefahren und haben umgekehrt einen Verlust gemacht, wenn der Kontrakt unter 110 USD steht.
Der größte Handel für Rohstoffe findet an der New Yorker Mercantile Exchange (Nymex) statt. Dies ist eine Warenterminbörse an der Rohstoffe gehandelt werden. Sie finden die Webseite unter http://www.nymex.com
Um Rohstoffe eben nicht physisch kaufen zu müssen, gibt es die angesprochenen Futures. Diese sind aber für Privatanleger in der Regel nicht zugänglich. Des Weiteren besteht die Gefahr, dass bei Auslauf des Futures der Rohstoff geliefert wird, obwohl man diesen gar nicht braucht. Daher werden in der Regel zehn Tage vor dem Ablauf des Futures die Positionen „glatt gestellt“ und damit verkauft. Das Geld was man dann für den Verkauf erhält, wird dann umgehend in den nächst kürzesten Future investiert. Damit garantiert man, dass man zum einen den Rohstoff nicht geliefert bekommt und zum anderen, dass man sehr nahe am aktuellen Preisniveau (da ja in den am kürzesten laufenden Future umgeschichtet wird) investiert, da die Preisunterschiede zwischen zwei Futures in der Regel nicht so hoch ist.
Wie kann man als Privatanleger in Rohstoffe investieren?
Da der Future-Markt nur schwer zugänglich ist, lohnt sich eher der Kauf von ETF oder Zertifikaten auf bestimmte Rohstoffindizes oder einzelne Rohstoffe bzw. Rohstoffbaskets.
Wie bereits oben angedeutet, wird beim Auslaufen eines Futures der Rohstoff geliefert. Um dies zu verhindern, wird der Future einige Tage vor dem Ablauf verkauft und es wird in den nächsten Futurekontrakt investiert. Diesen Vorgang bezeichnet man als „Rollvorgang“. Es wird also stets in den am kürzest laufenden Future investiert, um Ihnen als Anleger einen Preis nahe am so genannten „Spot-Preis“ zu ermöglichen. Auf diese Weise können Sie theoretisch unbegrenzt in einem Rohstoff mit einem Zertifikat investiert bleiben.
Lohnt sich ein Rollvergang?
Jein! Der Rollvorgang kann Gewinne aber auch Verluste verursachen. Hierfür gibt es zwei Fachbegriffe:
Backwardation:
Dieser Begriff beschreibt die Situation, bei der kürzer laufende Futures höher notieren als länger laufende Futures. D.h. der aktuelle Future der bald ausläuft ist teurer als jener der z.B. in drei Monaten ausläuft und in den „gerollt“ wird. Hier entstehen Ihnen als Anleger Rollgewinne da mehr Rohstoffkontrakte für dasselbe Geld bezogen werden können.
Contango:
Dieser Begriff beschreibt die Situation, bei der kürzer laufende Futures niedrigerer notieren als länger laufende Futures. D.h. der aktuelle Future der bald ausläuft ist billiger als jener der z.B. in drei Monaten ausläuft und in den „gerollt“ wird. Hier entstehen Ihnen als Anleger Rollverluste da weniger Rohstoffkontrakte für dasselbe Geld bezogen werden können.
Warum die Preise für zukünftige Rohstoffe mal höher mal niedriger notieren hängt einfach mit Angebot und Nachfrage ab. Wird beispielsweise eine große Hurrikan-Saison in bestimmten Erdteilen vorhergesagt, können Sie davon ausgehen, dass die Future-Kontrakte für Orangensaft oder Kaffee für den betroffenen Zeitraum ansteigen werden, da ein Hurrikan die Ernte vernichtet und somit weniger Angebot bei konstanter Nachfrage zur Verfügung steht, was wiederum zu steigenden Preisen führen würde.
Hier führen also zukünftige Erwartungen aber auch Spekulationen zu starken Preisschwankungen. Mit entsprechenden Zertifikaten können Sie versuchen als Anleger davon zu partizipieren.











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